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Die Change Formel

Veränderung

Wenn man sich mit Innovation beschäftigt, kommt man um das Thema Veränderung nicht herum. Neues braucht die Veränderung und das spürt man selbst ja auch oft sehr deutlich, z.B. wenn man sich etwas Besonderes vornimmt, sich aber dann plötzlich irgendetwas in uns sträubt, das Neue auch wirklich zuzulassen, von der Umsetzung ganz zu schweigen. Gründe hierfür gibt es wahrlich jede Menge. Angst spielt dabei oft eine entscheidende Rolle, aber auch Unsicherheit, Besitzanspruch, Macht(spielchen) und viele weitere.

Vor kurzem erfuhr ich von meinem Arbeitskollegen und Freund von einer so genannten „Change-Formel“. Sofort war mein Interesse geweckt. Ehrlich gesagt aber eher, weil ich dieser Formel gegenüber skeptisch war. Was steckt dahinter? Wie soll eine Formel beschreiben, wie Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden können?

Doch schauen wir uns die Formel einmal etwas genauer an, sie lautet:

C =A x B x D > X

Anmerkung: Diese Formel sowie eine modifizierte Version sind unter http://en.wikipedia.org/wiki/Formula_for_Change zu finden.

C steht für Change, also die Veränderung, die herbeigeführt werden soll. A steht für den Grad der Unzufriedenheit mit dem Status Quo. B steht für die Klarheit der Vision über den zukünftigen Zustand. D steht für erste konkrete Schritte in Richtung Zielerreichung. X steht für die erwarteten bzw. die wahrgenommenen Kosten (materiell oder emotional).

Das heißt also: Wenn ich die aktuelle Situation nicht ertragen möchte, ein Ziel vor Augen habe und jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung bewusst als Erfolg wahrnehme, erhöhe ich meine Erfolgsaussichten enorm! Ist der erwartete Nutzen größer als der befürchtete Aufwand (C > X), setzen sie (bzw. ein Unternehmen) sich in Richtung des Veränderungsziels in Bewegung. Andernfalls (C < X) verharren sie im Ist-Zustand. Dieses Verharren im Ist-Zustand wird von den Verantwortlichen eines Change-Projekts gemeinhin auch als Widerstand bezeichnet.

Der mathematische Aspekt der Multiplikation der drei Faktoren A, B und D ist hier sehr interessant. Auch wenn Richard Beckhard und David Gleicher sicherlich nicht im Sinn hatten, diese drei Faktoren mit Zahlenwerten zu versehen, ist es doch sehr treffend, dass das Ergebnis immer dann Null ist, wenn einer der Faktoren Null ist. Ist einer der Faktoren gering, schmälert er das Ergebnis immer noch erheblich. Anders wäre es bei einer Addition, doch so funktioniert Change eben nicht. Damit Veränderung laut Change-Formel überhaupt stattfinden kann, müssen die betroffenen Menschen zumindest ansatzweise mit dem Ist-Zustand unzufrieden sein, darüber hinaus den Soll-Zustand attraktiv finden und die Gangbarkeit des Weges von Ist nach Soll erkennen.

Change-Formel

Change-Formel

Praxisbeispiel bei wahrgenommenen Kosten von 100:

Es hilft also nicht in einem noch so tollen Visions-Workshop mit allen Mitarbeitern ein neues Zielbild und die zur Erreichung nötigen Schritte zu definieren, wenn niemand der Beteiligten so richtig unzufrieden mit der derzeitigen Situation ist. Hier wird es keine Veränderung geben.

0 x 10 x 10 = 0  < 100 (keine Veränderung möglich)

Doch durch eine Erhöhung und einer ausgewogenen, guten Verteilung der Faktoren auf der linken Seite (Unzufriedenheit, Schritte, Vision) kann das Ergebnis deutlich gesteigert werden und somit auch die Chance, dass eine geplante Veränderung gelingt.

6 x 5 x 4 = 120 > 100 (Veränderung möglich)

Auch wenn die Formel bald 45 Jahre auf dem Buckel hat, umfasst sie die zentralen Komponenten von Veränderungsprozessen und es zahlt sich aus, die eigenen Change-Projekte einfach einmal nachzurechnen. Dabei ist es unwesentlich, ob es sich um eine persönliche Veränderung oder eine Veränderung im Rahmen eines institutionellen Vorhabens handelt.

Weitere Artikel zum Thema:

Blog2change-Kampagne. Für mehr Veränderung in Unternehmen.

http://www.organisationsberatung.net/change-management-prozess-widerstand/

http://www.reinhard-schmitt.eu/Impulse/Impuls_Change-Formel.html

http://www.procontra.de/blog/change-formel/

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Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. Die Königsdisziplin besteht aus meiner Sicht darin, einen Wandel einzuleiten noch bevor Unzufriedenheit entsteht. Dadurch wird der Wandel pro-aktiv und nicht re-aktiv herbeigeführt. Es ist eine Kunst den Innovationspunkt zu einem Zeitpunkt zu setzen wo (noch) alles perfekt läuft, dazu braucht es Leadership und Gefolgschaft.

  2. Hallo Manfred,
    laut der Formel kann Wandel nicht herbeigeführt werden, ohne diese Unzufriedenheit mit vorhandenen Lösungen. Auch wenn in einem Unternehmen alles perfekt läuft, muss es doch Menschen geben (meist Visionäre und Innovatoren) die sich nicht begnügen mit dem Staus Quo. Andernfalls gibt es keine Veränderung und somit auch keine Innovation. Der Faktor A ist jedoch dann als gering einzustufen, weshalb es noch mehr darauf an kommt, dass Faktor B, die Klarheit der Vision und Faktor D, Erkennbarkeit konkreter Schritte in Richtung Zielerreichung, groß sind.
    Denn nur so können Anhänger für die neue Idee gefunden werden, die dann auch “unzufieden” werden, da sie ja jetzt ein “besseres” Bild der Zukunft haben.

  3. Das Prinzip des Lebens ist Veränderung. (Stillstand bedeutet in der Natur Tod)
    In diesen Prinzipien findent man keinen Grad der Unzufriedenheit oder eine Vision und schon gar keine Kosten. Hier entsteht alles aus sich selbst. Kommt aber eben das Bewusstsein ins Spiel, entsteht kaum mehr was aus sich selber(zumindest nicht ohne Hintergedanken..:-) – ausser man ist im Bewussten-SEIN und dockt sozusagen ans Ganze an -ohne Trennung…
    lg Gerald
    PS.: Danke für den Bericht Markus und den Kommentar Manfred…


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