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10Jan/122

Innovation um jeden Preis?

Nachhaltigkeit

Innovation ist grundsätzlich sehr positiv besetzt, auch wenn es in den letzten Jahren doch sehr inflationär verwendet wurde und es teilweise etwas an Substanz fehlt.

Doch warum ist Innovation technischer Fortschritt, oder wie auch immer man dazu auch sagen möchte, so positiv besetzt - ja scheinbar so überlebensnotwendig für uns?
Es liegt wahrscheinlich daran, dass Innovation und technologischer Fortschritt auch immer mit Wachstum in Verbindung gebracht wird - und Wachstum wiederum assoziiert Wohlstand.

Jetzt gibt es da nur einen kleinen Widerspruch:
Auf der einen Seite ist es ja kein Geheimnis, dass wir auf einem Planeten leben, welcher uns nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stellen kann. (Wobei man hier schon die Frage einwerfen könnte, ob uns Menschen diese Ressourcen alle zustehen?) Ressourcen wachsen zwar auch nach, doch mittlerweile nicht so schnell, wie das die stark wachsende Menschheit benötigen würde. Außerdem zerstören wir durch unser menschliches Wirtschaften nicht nur den einen oder anderen Wald, verschmutzen Flüsse und Seen, rotten Lebewesen aus, sondern erschöpfen uns selbst dabei noch bis über unsere Grenzen hinweg (BurnOut).
Auf der anderen Seite sind die von uns Menschen geschaffenen Wirtschafts- und Banksysteme (Wettbewerb, Effizienz, Börse, Zinsen, Zinseszinsen, etc.) aber so konzipiert, dass Wachstum die einzige Möglichkeit ist, um eben diese Systeme am Leben zu erhalten und nicht an Status und Wohlstand einzubüßen. (Zum Glück bekommt das vorherrschende System genug Support von Millionen kaufwütigen Konsumenten – Tag für Tag. Um die Menschen zu beschäftigen, werden Güter produziert, die niemand wirklich braucht und welche darüber hinaus durch ihre Produktion und Entsorgung die Umwelt schädigen.)

Die Konsequenz, die sich daraus ergibt: Hören wir auf Innovationen voranzutreiben bzw. diese nachzufragen, bricht das System zusammen!
Aber bitte verstehen sie mich nicht falsch – Wachstum sehe ich als etwas sehr Natürliches – schlecht ist es aber dann, wenn es dauerhafte Schäden an Umwelt, Natur und Gesellschaft verursacht. Und ich möchte hier in keinster Weise Innovation oder technischen Fortschritt in Frage stellen. Ganz im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass ein „Neues System“ mindestens genau so viel an guten Ideen, Kreativität, und Innovation bedarf, als das jetzige.

Fragen, die sich mir in diesem Zusammenhang stellen, sind:

 Wollen wir das momentan vorherrschende System so lange künstlich am Leben erhalten, wie es nur irgendwie geht? (Bis alle Ressourcen schlussendlich aufgebraucht sind)

 Zerstören wir nicht mittlerweile mehr durch die Art unseres Wirtschaftens, als wir Erfolge erzielen?

 Ist der Preis den wir bzw. unsere Kinder und Kindeskinder für unser aktuelles Wirtschaften zahlen vertretbar?

 Haben Politik und Wirtschaft - auch wenn man gewissen Handelnden ein Bemühen nicht abstreiten kann - vergessen zu fragen was der Mensch braucht?

 Sind (Wirtschafts-) Systeme denkbar, die ein „erfülltes“ Leben auf unserem Planeten ermöglichen, ohne diesen kontinuierlich zu zerstören?

 Tragen nicht immaterielle Werte wie Gesundheit, soziale Beziehungen oder der Schutz unseres Planeten viel mehr zur Lebensqualität bei als Geld und Besitz?

Beantworten wir speziell die letzte Frage mit JA und sehen nicht mehr Wachstumsraten, Umsatz und Gewinn als Größen an denen wir uns auszurichten haben, müsste jedoch das Wort Innovation neu definiert werden. Während man aktuell nur von Innovationen spricht, wenn sich Neues auch gewinnbringend am Markt oder in einer Organisation durchsetzt, spricht man vielleicht ja zukünftig auch von Innovation wenn diese „einfach nur“ die Lebensqualität der Menschen erhöht, die Umwelt schützt oder soziale Beziehungen fördert, ganz ohne Gewinn abzuwerfen.

Ähnlich wie bei aktuellen Produktentwicklungen ist jedoch zu beachten: Vor der eigentlichen Entwicklung (b4development) sollten wir uns im Klaren darüber sein was wir wirklich wollen.

Darum schadet es auch nicht, sich über etwaige Alternativen zu informieren!

EXIT von Meinhard Miegel

Die nächste industrielle Revolution von Michael Braungart

Wohlstand ohne Wachstum von Tim Jackson

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Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Hallo Markus,

    Dein Artikel gefällt mir sehr gut und er eröffnet eine Sichtweise die die Welt und die Menschen dringend brauchen.
    Innovationen “neu” zu definieren ist sicher ein eleganter Ansatz der uns helfen kann, mehr in Richtung “Gemeinsamkeit” zu gehen anstatt der vorherrschenden “Getrenntheit” immer mehr Gewicht zu geben.

    Gedankenexperiment: Man stelle sich eine Welt vor, wo alle Entwicklungsprojekte und Forschungsprojekte auf Nachhaltigkeit und Effizienz(ressourcenschonend) konsequent ausgerichtet sind. Gleichzeitig werden alle innovativen Ideen vernetzt und sozusagen auf das “erfolgreichste” Pferd für die Menschheit gesetzt. (Im Gegensatz zu Geheimnisse, Patente, Gewinnmaximierung, Konkurrenz,…)
    Wir könnten den Output für die Umwelt, der Natur und letztendlich für jeden Menschen gewaltig steigern und die Erde nur soweit belasten wie nur unbedingt notwendig und ein “Gleichgewicht” zwischen GEBEN und NEHMEN wiederherstellen.

    Wir brauchen dazu ein neues Denken eine neue Struktur und auch ein “Innovationssystem” das diese Werte sowohl global als auch in jedem Unternnehmen implementierbar machen. Dies ist näher als die meisten zu glauben bereit sind – manche arbeiten sogar schon daran…

    Bravo – weiter so…

    lg Gerald

  2. Hallo Markus,

    die Situation ist verrückt. Seit der industriellen Revolution steckt der Karren der Menschheit immer mehr in der Sch”*?” . Wir drehen uns im Kreis und ernähren uns mit fossilen Brennstoffen. Grundlage für das fast explosive Wachstum jeglicher Art (Bevölkerung, Wirtschaftsleistung, Ungerechtigkeiten, Perversionen) ist in Wirklichkeit die menschliche Errungenschaft, Kohle, Erdöl oder Erdgas zu fördern und zu nutzen. Ob das nun eine nachhaltig sinnvolle “Innovation” war – diese Frage soll jeder für sich selbst beantworten.

    Auf lange Sicht gesehen gilt das Prinzip des Darwinismus – der Evolution (Anm: ich bin kein Darwinist was die Schöpfung bestrifft ;-) ). Innovation ist im Endeffekt eine Mutation, die sich langfristig durchsetzt. Ob die Mutation zum Aussterben oder Überleben führt, entscheidet sich danach.

    Ich sehe das Ganze so: nehmen wir dieses natürliche Prinzip der Evolution her und sehen in der Innovationskraft der Menschen eine Chance, das Ruder umzukehren und die Balance wiederherzustellen (@ Gerald, yes, es geht um geben und nehmen und daraum, die Harmonie wieder herzustellen).

    lg
    Gerhard


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